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Übung Fliegerhorst Upjever: Die perfekte Platzwunde

Schminken fürs blutige Szenario

PIA
   |   
28.10.2019
[1]

 
Stabsfeldwebel Oliver Schwitters ist auch für Übungsszenarien verantwortlich und legt Wert auf Details.
UPJEVER
 – 

Kleine Konzentrationsfalten zeigen sich auf der Stirn von Oliver Schwitters, als er die Nase seiner „Patientin“ begutachtet. Dann legt er zur Stabilisierung des Kopfes die eine Hand, die in einem grünen Gummihandschuh steckt,  ganz behutsam in den Nacken der Frau. Er nimmt seinen Job ernst. 

Er hebt mit der anderen Hand die Spritze an die Nase, setzt an und drückt langsam. Die rote Flüssigkeit rinnt in Zeitlupe  über den Nasenrücken, staut sich mehr und mehr an der Nasenspitze. Es bildet sich ein Tropfen, der immer größer wird, dann löst und schnell zu Boden fällt.

 „Guck mich mal an“, sagt Schwitters, lässt seine tätowierten Arme langsam sinken, tritt einen halben Schritt zurück und begutachtet seine Arbeit. Ein Lächeln lässt sich hinter dem Vollbart vermuten, er ist zufrieden. Denn da, wo vorher eine gerade, heile Nase war, ist jetzt eine schöne, offene, blutige Wunde, in der noch ein kleiner Knochensplitter steckt. 

Oliver Schwitters ist weder Arzt noch Knochenbrecher. Der 39-Jährige ist Stabsfeldwebel bei der Brandschutzstaffel des Objektschutzregiments der Luftwaffe „Friesland“ und schminkt WOCHENBLATT-Redakteurin Pia Miranda für eine Übung. 
Seine Arbeit umfasst alles, was in der Brandschutzstaffel mit dem Bereich Ausbildung zu tun hat. So koordiniert er Schießübungen und leitet diese, besorgt Materialen, Ausrüstung und ist dafür verantwortlich, verschiedene Übungsszenarien zu konzipieren und umzusetzen. Dazu gehört unter anderem auch, einen Unfallort herzurichten. „Im besten Fall soll das natürlich so realistisch wie möglich aussehen“, erklärt Schwitters. Dabei komme es nicht nur auf viel Blut an, sondern auch auf die kleinsten Details. Dass er genau für diese ein Auge hat, zeigte sich auch bei dem geschminkten Nasenbruch. Nachdem er schon fast mit der Platzwunde fertig ist,entschiedet er sich, die Wunde noch ein wenig dramatischer und aufwendiger zu gestalten.

So wird aus der kleinen Platzwunde kurzerhand ein Bruch mit Knochensplitter. Dafür zerteilt Schwitters gewöhnliche Tafelkreide in noch kleinere Stücke, und nachdem er die Größe für nicht klein genug befunden hat, zieht er ein Klappmesser aus der Tarnfleck-Uniform und schnitzt sie sich vorsichtig zurecht. Ein enormer Aufwand, vor allem wenn man bedenkt, dass seine Werke nicht lange bewundert werden können.
 „Das ist ja alles ausschließlich im Rahmen der Übung. Das bedeutet, dass die geschminkten Darsteller mit ihren offenen Brüchen, amputierten Gliedmaßen und blutenden Wunden gleich ins Szenario gehen. Dort werden sie im Idealfall umgehend versorgt“, so der Stabsfeldwebel der Brandschutzstaffel. Er fügt hinzu: „Es geht um den Effekt. Im Gegensatz zu Sanitätern sehen wir echte Wunden nicht jeden Tag, sondern nur im Einsatz, wenn etwas passiert. Die Kameraden müssen aber darauf vorbereitet werden, im schlimmsten Fall eine Menge Blut an sich kleben zu haben.“ Oliver Schwitters erzählt, dass es in diesem Zusammenhang schon einmal sein kann, dass sich ungeübte Mägen bei den blutigen Wunden umdrehen – auch wenn diese nicht echt sind. 

Natürlich kamen die Fähigkeiten von Schwitters auch am vergangenen Wochenende bei der Übung auf dem Fliegerhorst zum Einsatz – genauso wie  die der mehr als 100 anderen Soldaten, die nicht aktiv an der Übung teilgenommen haben. Sie haben im Hintergrund agiert, organisiert, die Manöver beurteilt oder auch als Statisten für die  Soldaten, die aktiv geübt haben,  fungiert.  Die Menschen mit den gelben Westen, die die meisten der „Hintergrundkräfte“ anhatten, um optisch darzustellen, dass sie nicht Teil der aktiven Übung waren, waren stets präsent und haben ebenso wenig Schlaf bekommen wie die übenden Soldaten. 

Stabsfeldwebel Schwitters weiß, dass man als „Gelb-Weste“ aber trotzdem unbeliebt sein kann. „Wenn man sich sehr schwierige Szenarien ausgedacht und aufgebaut hat, dann kann man schon irgendwann der Buh-Mann sein.“ Seitdem Oliver Schwitters vor einem Jahr eher durch Zufall zum Wunden-Schminken gekommen ist, äußert sich diese „Hass-Liebe“ unter Kameraden unter anderem durch kollegiales Aufziehen. 

„Na, ich hab‘ schon Spaß daran, die Wunden zu schminken und da immer besser zu werden. Deswegen kommt da schon mal so ein Spruch wie ,Kommt als nächstes Smokey-Eye?‘ Aber damit kann ich umgehen.“ Vermutlich, weil seine Antwort auf die ironische Frage ebenso ironisch ausfällt: „Mit den richtigen Materialen bestimmt! Besser kann ich aber ‚Panda‘.“ 






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Autor des Artikels
Pia Miranda (pia)
Jever
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Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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