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Instagram und „Lobpreisschlager“ in der Kirche

Gudrun Nicolaus macht eine Ausbildung zur Pastorin in Horsten und Neustadtgödens – Erste Predigt am 28. April

KEA
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18.04.2019
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Vikarin möchte Jugendarbeit fördern und in die Lebenswirklichkeit holen. Ihr erster Talar ist bereits bestellt.
HORSTEN/NEUSTADTGÖDENS
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„In der Kirche darf jeder auch mal verwerflich und der Mensch sein, der er an den anderen sechs Tagen auch ist. Man muss sich nicht verstellen, bloß weil man über die Schwelle der Kirche tritt“, erklärt Gudrun Nicolaus schmunzelnd. Die 25-Jährige spricht aus eigener Erfahrung, immerhin tritt sie beinahe täglich über diese Schwelle: Sie macht eine Ausbildung zur Pastorin in Neustadtgödens und Horsten. Vikarin nennt sich das, was sie seit Ende März macht. Für diese Ausbildung ist die ehemalige Studentin nach ihrem Abschluss von Göttingen nach Neustadtgödens gezogen. Doch das kleine Dorf und der Norden gefallen ihr ausgesprochen gut: „Ich hab’ gelesen, es bezeichnet sich als Frieslands ,schönstes Dorf’ – und genauso ist es.“


„Durch meine Arbeit bin ich schon ein bisschen ,Ostfriesen-verliebt’. Auf dem Land hat die Kirche noch einen anderen Stellenwert, nämlich etwas Selbstverständliches.“ So werden die Kinder mit der Gemeinde zusammen groß, über Taufe und Konfirmation, und auch die Mütter und älteren Frauen engagieren sich stark. Eine richtige Generationsarbeit für die neue Vikarin, die sich sowohl mit Kinder- und Jugendarbeit als auch mit Senioren auseinandersetzt. „So wie hier sollte es sein, hier ist die Kirche ein Ort des Zusammenkommens und des Austausches, kein Extra-Programmpunkt“, den man pflichtbewusst erfüllen müsse. Besonders freue sie sich schon auf die Gottesdienste, die an Dorffeste gekoppelt sind, wie zum Schützenfest oder zum 475-jährigen Dorfbestehen. „Das ist echt cool, wie die Kirche hier mitgestalten kann“, betont sie. Angst macht ihr eher die Arbeit bei der Krankenhaus-Seelsorge oder in der Diakonie: „Da habe ich Respekt vor. Ich bin ein Mensch, ich erlebe alles mit vollen Emotionen“, daher sei sie gespannt, wie die Arbeit mit den Menschen dort verlaufe. Doch auch dies ist eine ihrer Stationen bei ihrer zweieinhalbjährigen Ausbildung.


Doch mitgestalten und kreativ werden kann die gebürtige Braunschweigerin schon jetzt in Horsten und Neustadtgödens. Derzeit steckt sie in den Vorbereitungen für ihre erste Predigt am Sonntag, 28. April. Zur Seite steht ihr Pastorin Kerstin Tiemann. Sie hat Gudrun auch schon am vergangenen Sonntag während des Gottesdienstes der Gemeinde vorgestellt.


Die meisten jungen Menschen lassen sich wohl noch konformieren, doch spätestens nach einem Jahr als Teamer hört es dann auf – der Kontakt zur Kirche reißt ab. Dort sieht Gudrun Nachholbedarf. Sie selbst nimmt sich da nicht raus. „Als Jugendliche war ich raus. Nach meiner Zeit als Teamerin hatte ich mit der Kirche zunächst keine Berührungspunkte“, sagt sie.


Ihr Interesse wurde erst wieder geweckt, als sie per Zufall Religion als mündliches Prüfungsfach wählte. „Das war überraschend cool, denn wir hatten Schulpastoren, die den Unterricht leiteten. Sie hatten solch ein starkes theologisches Fundament. Vor allem der wissenschaftliche Aspekt dahinter hat mich interessiert.“ So habe sie mit ihrem Studium angefangen. „Und mit jedem Semester, das ich studiert habe, konnte ich mir immer besser vorstellen, das auch beruflich zu machen.“


Nach diesen Erfahrungen möchte sie den Glauben auch wieder attraktiv für Jugendliche machen, gerade für die Zielgruppe zwischen 15 und 18 Jahren. „Mir geht es darum, zeitgemäß zu bleiben und den christlichen Glauben in die Lebenswirklichkeit zu holen. Und die ist nun einmal nicht so streng. Ich denke, im Gottesdienst kann man die Leute viel mehr mit Liedern abholen. Es gibt ja auch viele moderne und frische Songs.“ Gudrun nennt sie gerne auch „Lobpreisschlager“. Im Bereich der Jugendarbeit kann sich die 25-Jährige vorstellen, gemeinsame Filmabende über Netflix anzubieten oder einfach lockere Gespräche. Auch würde sie die Kirche mehr ins digitale Zeitalter holen, mit einem eigenen Instagram-Account.


Wenn Gudrun Nicolaus nicht in der Gemeinde ist, dann ist sie entweder auf Ausbildungsstation in einer Schule als Religionslehrerin oder mit anderen Anwärtern zusammen bei Seminaren. Im Kirchenkreis Harlingerland ist Gudrun jedoch die einzige Vikarin. In Aurich gebe es zwei weitere und in Wilhelmshaven noch einen Kollegen, mit dem die Zugezogene auch in der Freizeit mal unterwegs ist. Unter ihnen ist sie jedoch das „Küken“.


Bei den Blockseminarwochen, die zwei bis vier Wochen gehen, gibt es für die Anwärter viel Zeit zum Austausch. „Neulich hatten wir das Thema ,Gottesdienst’ und welche Bestandteile er hat“, erklärt sie. Auch äußerlich wird die Vikarin auf ihren Beruf vorbereitet. Bei einer Talaranprobe, von einem Talarschneider aus Hamburg, musste sich die 25-Jährige zwischen Hannoverschem und Preußischem Talar entscheiden. Die Wahl fiel auf Letzteres, bei dem Fledermausärmel entscheidend sind und der Stoff ab der Brust zusammengerafft ist und gerade hinunter fällt.


Um das Outfit komplett zu machen, gab es noch ein Beffchen (Halskragen) sowie einen Frauenkragen. Die weißen Beffchen sollten früher als Bartschutz fungieren. In den 1970er-Jahren hatten Frauen dann aber die Idee von einem eigenen „Beffchen“. So entstand der „Frauenkragen“, der kürzer ausfalle – und in gewisser Hinsicht auch ein großer Schritt für die Emanzipation der Frau in der Kirche war.







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Kea Heeren (kea)
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