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Die Angst vor dem Regenbogen

Wochenblatt-Mitarbeiter Tobias Bindhammer über Homophobie

BIN
   |   
07.09.2018
[1]

 
FRIESLAND/WILHELMSHAVEN
 – 

„Schwuchtel.“ – So hat mich kürzlich eine ältere Dame mit Rollator und gelbweißen Haaren in Jevers Altstadt beschimpft. Tatsächlich bin ich bisexuell, das bedeutet, ich finde sowohl an Frauen als auch an Männern Gefallen. Überhaupt spielt für mich die Frage nach der sexuell geschlechtlichen Prägung allenfalls eine untergeordnete Rolle. Ich könnte mich über solche Menschen wie die alte Dame aufregen, denn ich denke dabei an jene, die damit nicht so leicht umgehen können und sich aus Angst vor genau dieser Art von gesellschaftlicher Ächtung verstecken.


Wissen solche Pöbler, was sie damit anrichten, wenn sie jemanden als „Schwuchtel“ bezeichnen? Mittlerweile kann ich mit meinen 21 Jahren damit umgehen, aber das war nicht immer so. Es hat mich innerlich zerrissen. Wissen Sie, wie es ist, wenn Menschen sich aufgrund der sexuellen Orientierung weigern, einem die Hand zu geben? Ich habe mich oft gefragt, was falsch mit mir ist und dabei Tränen aus Kummer und Wut immer wieder runtergeschluckt, da ich denen den Triumph nicht gönnen wollte. Fünf Jahre lang habe ich mich selbst verleugnet, nur um nicht aus dem gesellschaftlichen Raster zu fallen.


Was ist eine „Schwuchtel“? Anders als die Vorurteile einiger Idioten mir nachsagen, habe ich kein Aids, spreche nicht nasal. Ich trage grau gefärbte Haare, figurbetonte Jeans, tanze und spiele Theater. Darüber hinaus esse ich blutiges Steak, baue Schränke auf, und bei Sekt oder Wodka bevorzuge ich das harte Gesöff. Und all das sagt über die sexuelle Orientierung rein gar nichts aus.


Ich möchte für Menschen eintreten, die sich nicht outen können. Weil sie sich nicht trauen, weil ihre Eltern homophob oder sehr konservativ sind. Die Angst vor dem Outing kann viele Gründe haben. Auch ich hatte Angst, mich meinen Eltern zu offenbaren. Und tatsächlich war meine Mutter wütend. Aber eigentlich nur darüber, dass ich ihr erst so spät davon erzählt habe. Angst zu haben, dass das Kind homosexuell ist, das haben 40 Prozent der Befragten einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes angegeben. Was sich für meine Mutter geändert hat, als ich mich outete? Nichts. Was sich für Hetero-Paare geändert hat mit der Einführung der Ehe für alle? Nichts. Was hat sich für mich geändert mit dem Outing? Alles. Ich kann viel offener durch das Leben gehen. Die Beleidigungen auf offener Straße berühren mich nicht mehr. In Ordnung sind Attacken wie die der alten Frau in Jever trotzdem nicht.

 

Der Autor Tobias Bindhammer (21), wohnt in Wilhelmshaven, studiert Medienwirtschaft und Journalismus an der Fachhochschule Wilhelmshaven. Er beendet diesen Monat sein Praxissemester in der Redaktion des Jeverschen Wochenblatts


Den Autor erreichen Sie unter redaktion@jeversches-wochenblatt.de






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