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Das Leben am Bahnhof

Obdachlos und allein – Ein Ticket nach München

Von BJARNE HENRIK BEHRENDS AUS JEVER (11 JAHRE)
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02.02.2018
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Nach einer Stunde habe ich erst 17 Cent verdient. Als ich weiter spiele, fängt mein Hund an, zum Takt zu bellen.
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Früher war ich ein sehr reicher Mann. Ich hatte eine Familie und lebte glücklich mit meiner Frau und meinen zwei Kindern in München in einer schönen Villa. Auch einen Zwillingsbruder hatte ich, der genauso reich war. Heute habe ich keinen Kontakt mehr.


Das alles ist 15 Jahre her. Ich bin Obdachlos und lebe alleine auf einem Bahnhof. Jeden Abend sitze ich ganz alleine auf einem Bahnsteig und genieße den Sonnenuntergang. Weil mein Zwillingsbruder ein Mörder war, saß ICH 15 Jahre im Gefängnis. Wir sehen uns zu 99 Prozent ähnlich. Alles was ich heute noch habe, ist meine alte Gitarre und einen alten Hund aus dem Tierheim. Mein Hund heißt Bello. Wir verstehen uns sehr gut, er ist mein einziger Freund. Ich habe nicht viel Geld. Es reicht morgens gerade für ein Brötchen beim Bäcker und abends einen Burger bei McDonalds oder Burger King.


Mein Traum ist es nach München zu fahren, um meine Familie wiederzusehen. Ich vermisse sie sehr! Ein Sonnenuntergang ist schöner als der andere. Doch heute finde ich den Sonnenuntergang gar nicht schön, ich bin sehr traurig, weil ich nun seit einem Jahr hier lebe. Seit 16 Jahren habe ich meine Familie nicht mehr gesehen. Ich muss mir was überlegen. Ich spiele auf meiner Gitarre. Plötzlich bleibt ein großer Mann stehen und schaut zu mir herab. Er hört mir zu und zieht etwas aus seiner Tasche. Was ist es? Es ist Geld! Er legt mir das Geld hin und geht weiter. Ich höre auf zu spielen, schaue meinen Hund an und sage zu ihm: „Ich mache Musik! Wenn ich weiter Musik mache, reicht das Geld, um mir ein Zugticket nach München zu meiner Familie zu kaufen. Du kommst natürlich auch mit!“ Während ich mich freue, fährt eine alte Dampflok ein. Man kann gar nichts mehr auf dem Bahnhof sehen, es ist schon spät und dunkel. Ich gehe zu meinem Schlafplatz. Am nächsten Morgen kaufe ich mir erst etwas zu Essen. Heute reicht das Geld für zwei Brötchen und nicht für ein Brötchen. Ein paar Minuten später lege ich meine Mütze vor mir hin und fange wieder an, zu spielen. Nach einer Stunde habe ich erst 17 Cent verdient. Als ich weiter spiele, fängt mein Hund an, zum Takt zu bellen. Plötzlich bleiben ganz viele Leute stehen und geben mir Geld. Am Abend zähle ich: Es sind 40,36 Euro. Ein Ticket nach München kostet 80 Euro. Wenn ich morgen so weiter mache, kann ich übermorgen losfahren. Am nächsten Morgen spiele ich gleich weiter. Am Abend habe ich wieder 39,90 Euro verdient. Morgen fahre ich zu meiner Familie! Ich gehe ganz aufgeregt schlafen.


In der Nacht wache ich von komischen Geräuschen auf. Ich schaue mich um, niemand und nichts ist zu sehen. „Oh nein! Meine Geldbörse wurde geklaut“, rufe ich.


Da war das ganze Geld drin. Ich habe nur noch ein bis zwei Euro. Damit muss ich mir den Bus zur Polizei bezahlen und die ist am anderen Ende der Stadt.


Gleich am nächsten Morgen lief ich zum Bus. Doch ein Problem habe ich, der Busfahrer wehrte sich mit Armen und Beinen mich mitzunehmen, er behauptete, ich sehe zu dreckig aus. Zwar verletzt mich das, aber ich bin es gewohnt so behandelt zu werden. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu Fuß zu laufen. Nach einer halben Stunde habe ich die Polizeistation erreicht. Zum Glück muss ich nicht lange warten. „Wie heißen Sie?“, fragte der Polizist. „Ich bin Herr Kompuss“, antwortete ich. „Haben Sie einen Personalausweis?“ „Nein der ist in meiner Geldbörse und die wurde mir gestohlen, darum bin ich auch hier.“ „Haben Sie den Dieb gesehen?“, fragte der Polizist. „Tut mir leid, ich habe geschlafen.“ „Wie viel Geld war in Ihrer Geldbörse?“ „In meiner Geldbörse befanden sich 80 €“, antwortete ich. Daraufhin antwortete der Polizist: „Okay, wir werden das in unserer Akte aufnehmen und den Dieb hoffentlich finden.“ „Vielen Dank! Jedoch habe ich noch eine Frage. Könnten Sie mich zum Hauptbahnhof bringen?“ „Natürlich gerne!“, entgegnete mir der Polizist. Auf dem Weg war ich ganz still. Plötzlich ging ein Funkspruch durch: „Achtung! Achtung! An alle Einheiten, fahren Sie alle Richtung Marktallee. Ein Serientaschendieb ist auf der Flucht. Er fährt Richtung Nordhafen!“ Der Polizist fragte mich: „Wollen wir hinterher fahren? Das könnte der gesuchte Dieb sein, der Ihre Geldbörse entwendet hat.“ Ich nickte nur, direkt gab der Polizist Gas. Mit 90 km/h und Blaulicht rasten wir durch die Innenstadt. Es war sehr aufregend. Hinter uns fuhren andere Polizisten, manche auf Fahrrädern und manche mit Motorrädern. Plötzlich schoss das Fluchtauto um die Ecke, der Polizist rief:


„Festhalten!“ Wir waren mitten im Drift, als das Fluchtfahrzeug vor uns zum stehen kam. Der Polizist sprang aus dem Wagen und überwältigte den mutmaßlichen Dieb. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich bei dem überwältigten Mann tatsächlich um den gesuchten Dieb handelte. Meine Geldbörse fand ich auf dem Beifahrersitz neben vielen anderen gestohlenen Portemonnaies. Ich fragte den Polizisten: „Darf ich mir meine Brieftasche nehmen? Ich möchte so gerne nach München zu meiner Familie, die ich seit 16 Jahren nicht gesehen habe. Ohne meine Brieftasche mit dem gesparten Geld kann ich nicht fahren.“ Der Polizist gab mir zur Antwort: „Sehr gerne Herr Kompuss, ich wünsche Ihnen alles Gute und eine angenehme Fahrt nach München zu Ihrer Familie.“


Schnell rannte ich in den Bahnhof. Zum Glück sind meine wenigen Sachen noch an Ort und Stelle, mein Hund Bello hat sehr gut auf alles aufgepasst. Eine Durchsage ertönte:


„Gleis 2, ICE 4 nach München, Abfahrt 16:20 Uhr, zurücktreten bitte, dieser Zug fährt ein!“ Es ist jetzt 15:50 Uhr, wenn ich jetzt schnell meine Sachen packe und das Ticket am Schalter löse, dann schaffe ich es noch rechtzeitig zum Zug. Um 16:10 Uhr stieg ich in den Zug ein, setzte mich auf meinen Platz, schaute aus dem Fenster und dachte noch einmal über Das Leben am Bahnhof mit seinen guten und schlechten Zeiten nach. Ich musste weinen! Der Zug fuhr los, ich war sehr müde und schlief schnell ein. Nach ungefähr zwei Stunden wachte ich von einem Ruckeln im Zug auf. Da kam eine Durchsage: „ Sehr verehrte Fahrgäste! Aufgrund eines technischen Problems bitten wir sie nun, den Zug durch die Notausgänge zu verlassen. Diese Arbeiten werden zwischen ein und zwei Stunden dauern. Weiter Informationen bekommen sie bei dem Personal an allen Ausgängen des Zuges. Sie tragen Warnwesten. Wir bitten um ihr Verständnis. Ihre Deutsche Bahn.“ Oje! Das kann ja heiter werden. Meine Familie sehe ich wohl nicht so schnell wieder!...


Eine Fortsetzung folgt!







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