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Wochenmarkt bringt Leben in Ortschaften

Marktbeschicker fahren an drei Tagen 15 Standorte im Landkreis Wittmund an

Von HELMUT BURMANN
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09.10.2019
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Karin Garlichs vom Landkreis spricht von einer segensreichen Einrichtung, die über das Programm Land(auf)schwung gefördert wurde.
WITTMUND
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Leere Ladenlokale, geschlossene Bankenfilialen, keine Ärzte oder Apotheken: In einigen Ortschaften herrscht „tote Hose“. Sie sind nur noch reine Schlaf- und Wohngebiete, in denen kaum noch etwas geboten wird, geschweige denn es etwas zu kaufen gibt. Geburtenrückgang und Wanderungsverluste haben diese Entwicklung ebenso forciert wie leere öffentliche Kassen und veränderte Konsumenten- und Mobilitätswünsche. Eine Entwicklung, der die Politik gegenwirken will. Für einen kleinen Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität in diesen Ortschaften sorgt der Verein „Mobiler Wochenmarkt – Versorgung für den ländlichen Raum“ im Landkreis Wittmund – und sei es nur für eine halbe Stunde einmal in der Woche.


Von einer segensreichen Einrichtung spricht Karin Garlichs vom Landkreis Wittmund, die dort das Programm Land(auf)schwung koordiniert hat. Aus diesem bundesweiten Förderprogramm erhielt der Verein insgesamt 105000 Euro, unter anderem für einen eigenen Kühlwagen. Dieser bildet zusammen mit einem Obst- und Gemüsehändler sowie einem Fischwagen die minimale „Grundausstattung“ für den mobilen Wochenmarkt, der an drei Tagen in der Woche insgesamt 15 Ortschaften für eine halbe bis zu drei Stunden ansteuert.


Die Zahl der Marktbeschicker kann variieren, denn oftmals kommen weitere Anbieter hinzu. Hin und wieder fällt aber auch einer weg, um den lokalen Anbietern keine Konkurrenz zu machen. Das ist aber eher seltener der Fall, denn angestammte Konkurrenz gibt es fast keine. Eher bringen die Marktbeschicker auf Bestellung noch etwas mit, was sie eigentlich gar nicht im Sortiment haben. „Und sei es Toilettenpapier,“ so Alfred Iken, der Motor des Mobilen Wochenmarktes und Vorsitzender des zehn Mitglieder zählenden Vereins.


Dieser Verein hat mit Jutta Gerdes, Andreas Kühn und Thorsten Lucas drei Personen angestellt, die die Ortschaften mit den Marktständen beschicken. Obendrein sind sie bei Alfred Iken oder Fisch Schwartz in Esens angestellt und besuchen auch die regulären Wochenmärkte. Denn Personal ist auch bei den Wochenmarktbeschickern knapp. Dazu Iken: „Da sind wir selbst Schuld dran, wir haben uns einfach nicht um Nachwuchs gekümmert. Wir hätten Einzelhandelskaufleute für den Wochenmarkt ausbilden müssen“, erklärt der einst jüngste Supermarktleiter in Ostfriesland, der heute für den Wochenmarkt lebt. Und daher ist es für Iken und Mitstreiter selbstverständlich, dass es mit dem Mobilen Wochenmarkt auch nach Ende der Zweck- und Bindungspflicht an den Landkreis Wittmund im März 2020 weiter gehen wird.


Allerdings dürfte es dann Änderungen geben, denn Ortschaften, in denen die Resonanz auf das Angebot gegen Null geht, könnten aus der Tour gestrichen werden. Die gibt es durchaus, doch gehören sie zur Minderheit. Anderenorts dagegen bringen sich sogar Vereine mit ein, werden Lokalitäten für die Zeit des Wochenmarktes geöffnet, um die Kommunikation und den Aufenthalt der Besucher auf dem Markt zu fördern. Für Iken ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Der Wochenmarkt wird stundenweise zum Treffpunkt.


Der Mobile Wochenmarkt, der bisher unterm Strich plus minus null wirtschaftet, könnte sein Einzugsgebiet auch erweitern, denn ab März ist er nicht mehr an die Wittmunder Kreisgrenzen, die er mit dem Dornumer Wochenmarkt ohnehin schon durchbrochen hat, gebunden. Abstecher in das Wangerland könnte sich Iken durchaus vorstellen. Anfragen gebe es mehr als genug – auch aus weiter entfernten Landkreisen.


Die Ursprünge für den Mobilen Wochenmarkt liegen sechs Jahre zurück. In der Wittmunder Ortschaft Ardorf hatte nach den Läden und der Bank auch die Apotheke dicht gemacht. Ortsvorsteher Wilhelm Ihnen war mit der Idee eines Marktes auf Alfred Iken zugegangen. Da aber alle Termine unter der Woche ausgebucht waren, einigte man sich auf einen Sonntag im Monat. Inzwischen ist Ardorf fester Bestandteil des Mobilen Wochenmarktes. Der Ort wird jeden Mittwoch angefahren und hat mit drei Stunden die längste Verweildauer der Händler.


Dort hatte Alfred Iken auch das Erlebnis, das ihn immer wieder zum Weitermachen motiviert. Eine alte, gebrechliche Dame trat an seinen Stand und sagte: „Ist das schön, dass ich in meinem Dorf wieder eine Banane kaufen kann!“







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