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Stedesdorferin leistet Start-Up-Hilfe fernab in Tansania

Anna Wilts aus Stedesdorf unterstützt junge Leute, Unternehmen zu gründen

Von ANNA WILTS
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25.06.2018
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Ein Futtermittelhandel und eine Motorrad-Werkstatt sind entstanden. Drei Monate lebt die 28-Jährige bei Jugendlichen im Dorf Lumuli.
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Ich, Anna Wilts aus Stedesdorf, bin 2017 beim Raleigh International „Livelihoods“-Programm in Tansania dabei gewesen. Ein Projekt, bei dem es darum geht, zusammen mit Partnern aus Forst- und Landwirtschaft Jugendlichen in ländlichen Gebieten zu helfen. Die Intention ist es, zukunftsträchtige Lebensgrundlagen (engl. Livelihoods) für junge Menschen und ihre Dorfgemeinschaften vor Ort zu schaffen.


Im Laufe des Programms habe ich zusammen mit weiteren Projektteilnehmern und mit meinen Schülern den wirtschaftlichen Bedarf vor Ort identifiziert. Wir gründeten Kleinunternehmen, die in das Dorfgefüge und den Markt passten, und sich vor allem auf lange Sicht rentabel aufrechterhalten lassen. Wir, die Projektteilnehmer beim „Livelihoods“-Programm bestanden zur Hälfte aus freiwilligen jungen Europäern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Die andere Hälfte setzte sich aus tansanischen Freiwilligen zusammen. Gemeinsam nahmen wir zu Beginn am Training in Morogoro (der Niederlassung von Raleigh in Tansania) teil.


Erst dann ging es los: In die Dörfer zu den jungen Leuten, die oftmals so alt wie wir waren. Dort unterrichteten wir über drei Monate sechs bis acht „Livelihoods“-Gruppen in verschiedenen Regionen Tansanias. Die jungen Menschen lernten unter anderem, wie man einen Betrieb führt. Zusätzlich gab es Fachvorträge vom Projektpartner über Futtermittelmischungen, Joghurtproduktion oder Rinderrassen.


Die Gruppe, die ich zusammen mit einer weiteren Teamleiterin aus Tansania leitete, wohnte von an Anfang Oktober bis Mitte Dezember bei Gastfamilien in Lumuli, einem kleinen Dorf in der Iringa-Region im Südwesten des Landes. Wir erarbeiten mit ihnen zusammen Ideen. Danach folgte das „Pitching“: Vor einer Jury von Fachleuten und Repräsentanten der beteiligten Institutionen stellten wir (das komplette Kursteam) die erarbeiteten Unternehmensideen inklusive Unternehmensstrategie und Wirtschaftsprognosen vor. Die besten Ideen erhielten einen Förderzuschuss, sodass das Unternehmen schnell gegründet werden konnte.


Diejenigen, deren Ideen keine finanzielle Hilfe erhielten, bekamen Unterstützung bei der Aufnahme von Mikrokrediten durch sogenannte ViCoBas, den „Village Community Banks“, die vielerorts in Tansania größere Banken ersetzen. Dort zahlt jeder Dorfbewohner monatlich einen Beitrag ein. Bei regelmäßigen Sitzungen wird entschieden, welchem Kreditantrag als nächstes stattgegeben wird.


Neben dem Unterricht, der von montags bis freitags in Lumuli in der Gemeindehalle stattfand, beschäftigten wir uns mit weiteren Projekten, wie einem vereinfachten Business-Unterricht an der Grundschule und einem verkürzten Programm zur Unternehmensführung für die örtliche Imkergemeinschaft, welche aus gut 60 Personen bestand.


Meist früh morgens oder abends wurde mit großen Kanistern Wasser von der Pumpe geholt, die im vergangenen Jahr zentral im Dorf installiert wurde. Die Mahlzeiten nahm unsere Gruppe morgens und mittags bei der „Lunch Mama“ ein. Gekocht wurde am offenen Feuer in einer separaten Lehmhütte. Meist fanden sich auf dem Teller die hier angebauten Gemüsesorten wie Tomaten, Bohnen, Erbsen und Kartoffeln nebst „Ugali“, einem großen Kloß aus Mais- oder Weizenmehl, der in Soße getunkt wurde und an einigen Tagen Fisch oder Fleisch.


So gut wie jeder Haushalt in Lumuli baut Mais an, meist einen halben Hektar. Einige Bauern halten einheimische Rinder, hauptsächlich als Arbeitstiere und für den Fleischverzehr, aber auch, um Milch für den eigenen Bedarf zu haben. Sonne und Wind gibt es in Lumuli reichlich. Das bleibt nicht ungenutzt: Ein Großteil des Dorfes ist dank Kleinwindkraftanlagen autark.


Im Dezember verließen wir Lumuli. Es fiel uns schwer die Koffer zu packen, da uns das Dorf mit seinen Einwohnern nach drei erfahrungsreichen Monaten sehr ans Herz gewachsen war. Allerdings waren wir auch alle sehr stolz auf die neuen Jungunternehmer, zu denen sich die jungen Frauen und Männer aus unserem Kurs entwickelt hatten. Es gibt jetzt in Lumuli ein Hähnchenmast- und Legehennenbetrieb mit Hausschlachtung und Lieferung, einen Futtermittelhandel, zwei neue Schneiderwerkstätten, einen Molkereitransport-Service, eine Motorradwerkstatt und im Nachbardorf den ersten Gemischtwarenladen, alle unter Führung der jungen Leute, die an unserer Schulung teilgenommen hatten. Weitere folgen bestimmt. Wie man auf der Landessprache Kisuaheli sagt: Kila la heri wa mafanikio mema – viel Glück und Erfolg!







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