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Plastische Eindrücke

(Teil 2) Wasser ist Luxus und Lebensspender

PIA
   |   
29.05.2018
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Schon nach den ersten Stunden wird klar, wie knapp die Ressource Wasser und dass Mülltrennung ein Luxus ist, den sich nicht jeder leisten kann.
UPJEVER/GAO
 – 

Ich bin also tatsächlich in Mali, stehe im Camp Castor und jeder Soldat starrt mich an, da ich die einzige Person unter tausend bin, die zivil gekleidet ist. Das wird in den kommenden Tagen hoffentlich auch das Einzige sein, was mich von den Objektschützern unterscheidet. Einen kleinen Einblick in das Programm hatte ich schon zuvor bekommen, da die Objektschützer mir in einer E-Mail mitgeteilt hatten, was auf mich zukommen wird. Kurz zusammengefasst geht es um Nachtpatrouillen, Tagpatrouillen, lange Kleidung (trotz der gemütlichen 47 Grad plus). Ich dürfe nur zwei Minuten am Tag duschen, um Wasser zu sparen. Als Abschlusssatz dann „Bei deiner Vorbereitung musst du dir keine Sorgen machen, dass du etwas vergisst. Wir können dich mit fast allem hier unterstützen. Wir freuen uns auf dich und bis die Tage. Liebe Grüße vom 7. DEUEinsKtgt ObjSchutzKp GAO MALI“. „Liebe Grüße“ und „Wir freuen uns“ ist für mich eine ganz normale Abschiedsformel, der Pressesprecher des Objektschutzregiments, Oberstabsfeldwebel Mario Gerhardt, hingegen war ganz aufgeregt und versicherte mir: „Das ist eine Liebeserklärung.“


Mit diesem Gedanken stehe ich neben dem Transportfahrzeug „Carl“, schultere meinen Rucksack und hoffe, dass mich die Objektschützer vom Sammelpunkt abholen. Stattdessen kommen zwei Uniformierte auf mich zu. Die Frau ist etwas kleiner als ich, hat braune Haare und ein freundliches Gesicht. Den Mann erkenne ich sogar, es ist der Public Affairs Officer (Pao) des Camps. Wir hatten vorher schon telefoniert und er hatte mir ein Foto von sich geschickt, damit ich in Mali wisse, wie er aussieht. In diesem Moment bin ich für die Geste ungemein dankbar, da ich ihn mit „Herr Kleinert!“ begrüßen kann. Von Major Kieron Kleinert weiß ich durch die Telefonate, dass er ein organisierter, aber auch witziger Mensch ist, er sächselt ein wenig, aber das macht seinen fast jungenhaften, sympathischen Charme aus. Deswegen wundert es mich auch nicht, dass er neben den sachlichen Informationen gleich einen vertrauten Ton anschlägt. „Schön, dass du da bist! Dann bringen wir erstmal dein Gepäck in deinen Container und gehen dann Mittagessen.“ Auf dem Weg zum Containerwohnblock „Trauenburg“ mache ich mich mit beiden bekannt. Sie ist Hauptfeldwebel Meike R., gehört auch zum Pressestab, und beide werden mich in den kommenden Tagen auf Schritt und Tritt begleiten. Die Frage, ob ich noch ein wenig Zeit für mich brauche und auspacken will, verneine ich. Was gibt es für die drei Tage auch auszupacken, zwei Hosen und drei T-Shirts sind keine unendliche Garderobe, die es ordentlich zu stapeln gilt. Um zur Essensausgabe zu gelangen, geht es wieder in die pralle Mittagssonne. Es sind nur knapp 100 Meter, die wir zurücklegen, in diesem ungewohnten Klima ist aber selbst diese kleine Strecke eine Belastung. Ich schwitze, das merke ich, aber auf meiner Haut bildet sich kein vertrauter öliger Film. Die Luft hier ist so trocken und die Temperaturen dermaßen hoch, dass jegliche Flüssigkeit sofort verdampft. „Puh, ist das warm“, denke ich mir. Als wenn der Major meine Gedanken lesen könnte, sagt er: „Heute haben wir Glück, es sind Wolken am Himmel und es weht ein angenehmer Wind. Aber die kommenden Tage soll es wieder schlimm werden.“ Schlimmer als die gerade vorherrschenden 45 Grad kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen. Ironischerweise muss ich das auch nicht, denn ich werde es ja erleben.


Im Speisesaal nimmt sich jeder ein Tablett und Besteck. Was mir sofort auffällt, ist, dass die Teller aus Pappe und das Besteck aus Plastik sind. Jeweils ein Messer, eine Gabel und ein Löffel sind nochmals in Plastikfolie eingeschweißt. „Wir benutzen Plastik, weil das Wasser zu kostbar ist, um damit abzuspülen“, verrät mir Meike. Das ergibt natürlich Sinn, dennoch bin ich schockiert über diese Verschwendung, da rund 1000 Soldaten im Camp dreimal am Tag ein neues Besteck benutzten, was danach sofort im Müll landet. Aber den Luxus der Mülltrennung kann sich die Bevölkerung nicht leisten und mein erhobener Zeigefinger unterstreicht nur die Dekadenz, die wir im Westen mit unserer Wasserverschwendung an den Tag legen, da sogar die Toilettenspülung Trinkwasserqualität hat. Im Camp wird zwar Müll getrennt, der dann über die Minusma sachgemäß entsorgt wird, die Bevölkerung verbrennt jedoch alles inklusive Essensreste und Plastik auf kleinen Haufen, deren widerlicher Gestank einem von Zeit zu Zeit in die Nase steigt.


Bei dem Gedanken an verbranntes Plastik wird mir ein frittierter Fisch auf den Pappteller geworfen und die „Paos“ und ich begeben uns auf die Suche nach einem freien Platz. Ich halte nach den Objektschützern Ausschau. Vom Aussehen kenne ich den Zugführer Hauptfeldwebel Björn Minge. Ihn hatte ich schon in Lehnin getroffen. Unsere Gespräche waren kurz gewesen, aber der 36-Jährige hatte immer begeisterungsfähig und kompetent gewirkt. Seine jahrelange Erfahrung und seine vielen Auslandseinsätze hatten auch dazu geführt, dass er beim Ausfall des Zugführers als Nachfolger bestimmt wurde – sein Dienstgrad sieht diese Position eigentlich nicht vor. Aber es ist kein blonder Minge-Schopf in der Menge zu erkennen, also bleibt mir nichts anderes übrig, als erstmal auf dem zähen Backfisch herumzukauen und darauf zu warten, dass ich endlich zum Zug dazustoßen darf.

 

"Auf dem Weg ins ferne Mali"

 

Der Hintergrund

 

Die Serie „Pia marschiert“ startete vergangenes Jahr, als die Wochenblatt-Volontärin Pia Miranda (27) „einfach mal mitmachen“ wollte, und zwar beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. 

Eine Truppenübung und einen Journalistenpreis später reist Pia nun nach Mali, um das vorerst letzte Kontingent aus Upjever zu besuchen, das nach Gao geschickt wird. 

 

Bis Mitte Juni werden die 45 Objektschützer noch in Gao sein. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig.  Unter anderem die Sicherung von Flugzeugen, durch Gao und das Umland mit und ohne die malische Armee (FAMa) zu patrouillieren und einen Begleitschutz für die Drohne „Heron“ zu stellen.

 

Teil 1 der Serie lesen Sie hier:

"Auf dem Weg ins ferne Mali"

 

Der Hintergrund

 

Die Serie „Pia marschiert“ startete vergangenes Jahr, als die Wochenblatt-Volontärin Pia Miranda (27) „einfach mal mitmachen“ wollte, und zwar beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. 

Eine Truppenübung und einen Journalistenpreis später reist Pia nun nach Mali, um das vorerst letzte Kontingent aus Upjever zu besuchen, das nach Gao geschickt wird. 

 

Bis Mitte Juni werden die 45 Objektschützer noch in Gao sein. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig.  Unter anderem die Sicherung von Flugzeugen, durch Gao und das Umland mit und ohne die malische Armee (FAMa) zu patrouillieren und einen Begleitschutz für die Drohne „Heron“ zu stellen.

 


Teil 1 der Serie lesen Sie hier:

"Auf dem Weg ins ferne Mali"

Teil 3 der Serie lesen Sie hier:

"Der Boden der Tatsachen"

Teil 4 der Serie lesen Sie hier:

"Fragile Stabilität"

Teil 5 der Serie lesen Sie hier:

"Surreale Schönheit und innere Konflikte"

Teil 6 der Serie lesen Sie hier:

"Ehre und Wahrheit"

Teil 7 der Serie lesen Sie hier:

"Eine Welt der Extreme"

 

 

Der Hintergrund

 

Die Serie „Pia marschiert“ startete vergangenes Jahr, als die Wochenblatt-Volontärin Pia Miranda (27) „einfach mal mitmachen“ wollte, und zwar beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. 

Eine Truppenübung und einen Journalistenpreis später reist Pia nun nach Mali, um das vorerst letzte Kontingent aus Upjever zu besuchen, das nach Gao geschickt wird. 

 

Bis Mitte Juni werden die 45 Objektschützer noch in Gao sein. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig.  Unter anderem die Sicherung von Flugzeugen, durch Gao und das Umland mit und ohne die malische Armee (FAMa) zu patrouillieren und einen Begleitschutz für die Drohne „Heron“ zu stellen.

 






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Autor des Artikels
Pia Miranda (pia)
Jever
Volontärin
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 86
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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