Macher vor Ort
Wählen Sie den Suchtyp aus.
  • Website
  • Web
 
Bildergalerie
Bilder aktueller Veranstaltungen aus der Region.jetzt ansehen
Lesershop
„Handel im Wandel“ – Jetzt auch als Buch!zum Lesershop
<<
[1/1]Lesershop

Lieber Dorfleben als Großstadtabenteuer

Nina Tjarks ist Vorsitzende des Vereins „Junge Landdeerns“ und mag das ländliche Leben in Horumersiel

FIO
   |   
12.09.2019
[0]

 
In eine Metropole ziehen und studieren? Das kam für die 30-Jährige aus Horumersiel nie infrage.
WANGERLAND
 – 

Die meisten jungen Menschen wollen dorthin, wo etwas los ist. Wo das Leben pulsiert, wo es interessante, vielseitige Jobs gibt und man neue Leute trifft – deshalb sind gerade die Großstädte ein bevorzugtes Ziel der jüngeren Generation. Dennoch entscheiden sich einige junge Menschen für das Dorfleben und nicht für das Großstadtabenteuer. Eine ganze Gemeinschaft davon verkörpern die „Jungen Landdeerns“.


Zu ihnen zählt die 30-jährige Nina Tjarks aus Horumersiel – sie konnte sich, wie viele ihrer Vereinskolleginnen, auch nie vorstellen, in einer Großstadt zu leben und zu studieren. „Ich habe noch nie in einer Großstadt gewohnt, ich kenne es gar nicht anders.“ In einer ruhigen Straße in Hohenkirchen aufgewachsen, bleibt sie auch heute dem Landleben treu. „Durch meinen Mann bin ich in Horumersiel gelandet“, erzählt Nina Tjarks. „Ich bin also ein richtiges Landei.“


Seit vier Jahren wohnt sie nun in Horumersiel. „Das Haus gehört dem Onkel meines Mannes.“ Vor einem Jahr heirateten sie und ihr Mann dann in der Scheune auf ihrem Grundstück – mit 170 Gästen. „Hier ist das so. Auf dem Dorf kommen immer einige zusammen. Wird eine Hochzeit gefeiert, sind alle aus dem Ort dabei.“


Aber nur, weil man auf dem Land lebt, heißt das noch nicht, dass man etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben muss. „Ich bin überhaupt kein Gartenmensch, es muss aber gemacht werden. Wir haben auch keine Landwirtschaft, nur ein großes Grundstück.“ Es seien vor allem die Kleinigkeiten, die das Leben auf dem Dorf so besonders machen: „Ich konnte als Kind einfach die Rollschuhe anziehen und auf der Straße bei meinen Eltern lang fahren oder mit Kreide auf den Straßen malen.“ Und heute könne ihre Tochter mit ihrem Papa einfach auf dem Trecker fahren. In Großstädten wäre das nicht möglich, weil dort die Straßen stärker befahren seien und mehr Verkehr herrsche. „Mir gefällt vor allem die Ruhe auf dem Land. Jeder kennt jeden. Wenn man irgendwo hingeht, kennt man fast alle.“ Und der Freundeskreis sei noch fast der gleiche wie der zu Schulzeiten: „Wahrscheinlich ist das in Großstädten auch anderes, weil man dort immer wieder neuen Menschen begegnet.“


Im Gegensatz zu ihr selbst ist ihr Mann auf dem Bauernhof groß geworden. „Er hat früher bei einer Biogasanlage gearbeitet und sich vor einem Jahr selbstständig gemacht.“ Seitdem übernimmt er die mobile Gülleseperation, wodurch Landwirte mehr Lagerraum bekommen und die Fließfähigkeit der Produkte verbessert wird. Die Selbstständigkeit zog aber auch große Veränderungen mit sich: „Als Familie hängt man da ja mit drin. Es war ein Riesenschritt ins Ungewisse, es ist ja immer mit einem Risiko verbunden.“


Anfang des Jahres schloss sich Nina Tjarks dann den „Jungen Landdeerns“ an – einer Untergruppe der Landfrauen, die seit Februar besteht. Eine Freundin war zu einer Infoveranstaltung der Landfrauen gegangen, bei der über den neuen Verein informiert wurde. Sie erzählte Nina Tjarks von dem Treffen und meinte, das wäre auch etwas für sie.


„Ich wollte dann aber kein stilles Mitglied sein, sondern aktiv mitwirken.“ Und so ist sie im Februar dieses Jahres zur Vorsitzenden gewählt worden. „Es ist auch eine schöne Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen. Ich bin ja momentan in Elternzeit und wollte einfach noch etwas nebenbei machen.“ Denn bevor ihre heute zwei Jahre alte Tochter zur Welt kam und ihr Leben auf den Kopf stellte, arbeitete die 30-Jährige als gelernte Bankkauffrau bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO). „2006 fragte mich der Filialleiter der LzO, ob ich mir nicht vorstellen könnte, eine Ausbildung zur Bankkauffrau zu machen.“ Eigentlich wollte sie Krankenschwester werden und Menschen helfen, konnte sich dann aber mit dem Gedanken anfreunden, Bankerin zu werden.


„Die Ausbildung zur Krankenschwester kann man erst mit 17 Jahren beginnen. Und da ich nach meinem Realschulabschluss erst 16 war, habe ich mit dem Wirtschaftsgymnasium angefangen.“ Nach dem Angebot brach sie dann aber das Wirtschaftsgymnasium ab. Seitdem sind 13 Jahre vergangen.


Auch wenn ihre Elternzeit beendet ist und sie wieder ins Berufsleben einsteigt, möchte Nina Tjarks weiterhin im Verein „Junge Landdeerns“ mitwirken. „Der Vorstand wird sowieso für zwei Jahre gewählt. Daher ist es schon mein Plan, das auch längerfristig zu machen“, sagt sie.


Das heißt vor allem, Veranstaltungen zu organisieren, die junge Frauen ansprechen. Diskutiert werden die Ideen alle acht Wochen bei einem Stammtisch der Mitglieder. „Unsere Altersgrenze liegt bei 45 Jahren. Danach geht man dann automatisch zu den Landfrauen über.“


Ein großer Irrtum ist aber: „Viele Menschen denken, man müsste etwas mit Landwirtschaft zu tun haben, um bei uns Mitglied zu werden. Das stimmt nicht. Es geht um die Gemeinschaft.“







Leserkommentare


Noch keine Kommentare | Erstelle einen Kommentar
Autor des Artikels
Jennifer Fiola (fio)
Jever
Volontärin
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 86
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
E-Mail   Artikel
 

ePaper lesenePaper Grafik

Jetzt anmelden
Noch nicht überzeugt?
»Jetzt kostenlos testen!
 
Anzeige
 
WhatsApp-Service
 
 
 

Wochenblatt-Ressorts



Ems-Jade Wangerland, Wangerooge Wilhelmshaven Jever Schortens Sande
 
Top-Services
Shop AfH Kontakt Rat Karriere
BL-Tipp Events Anzeigen Abo Meinung