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Kunst satt auf der Atelierroute

Allein im Wangerland ließen sich drei Künstler über die Schulter schauen

Von JÖRG STUTZ
   |   
09.09.2018
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Ein Besuch bei Andreas Reibert, Lothar Strübbe und Karin Mennen.
WANGERLAND
 – 

39 Künstler auf der ostfriesischen Halbinsel hatten am Wochenende anlässlich der 14. Atelierroute ihre Werkstätten und Arbeitsräume geöffnet. Die Bandbreite der Ausdrucksformen und Arbeitsweisen und damit auch der verwendeten Materialien war wieder beeindruckend und reichte von der Malerei und Bildhauerei über Glasarbeiten und Druckgrafiken bis hin zu textiler Stoffgestaltung.


Schon wer nur im Wangerland auf den Spuren der Kunst unterwegs war, musste sich viel Zeit nehmen. In der Küstengemeinde bestand die Möglichkeit, mit gleich drei Künstlern ins Gespräch zu kommen.


Sowohl traditionell als auch experimentell arbeitet Karin Mennen. Und noch eines wird dem Besucher des am Hohenstiefersiel gelegenen Ateliers klar: Auch wenn es um ihre Bilder und Skulpturen geht, ist die Wangerländerin fest verwurzelt in ihre Heimat und in ihrer Herkunft als Tochter eines Marschenbauern. Das zeigt besonders ein Projekt der Erschafferin des Minsener „Seewiefkens“: die Wattschlickbilder. Dafür hat sie Bildträger aus Kartoffelsackjute und fertig bemalten Leinwänden an besonderen Orten im Watt fixiert. Das Ergebnis: Das abgelagerte Material wie Schlick, Algen und Sedimente wirkt wie ein Selbstportrait des von Ebbe und Flut bestimmten Wattenmeeres. Die anschließende Malerei auf den von der Natur „bearbeiteten“ Flächen bezeichnet Mennen als „assoziativ im Maritimen und im Agrarbereich“.


Ausschließlich im Bereich der Landwirtschaft bewegte sich die Teilnahme der Friesländerin am niederländischen Projekt „Potatoes go wild“, bei dem es um die Rolle der Kartoffel als Quelle der Inspiration ging. Anlässlich der „Bildtse Aardappelweken“ („Kartoffelwochen von Bildt“) in der Nähe der niederländischen Stadt Leeuwarden entwarf Karin Mennen einen Erdapfelhügel mit einer „Kartoffelvenus“, einer „Venus solanum“, auf der Spitze. 


Wer das erste Mal in Lothar Strübbes „Uricum“ an der Tettenser Glockengasse zu Gast ist, ist regelrecht überwältigt. Das komplette Elternhaus des 61-jährigen Malers und Bildhauers dient als Atelier, Werkstatt und Wohnraum zugleich. Auf Schritt und Tritt trifft der Besucher auf Skulpturen, vor allem aber auf Landschaftsbilder, die einen Schwerpunkt von Strubbes Arbeit bilden. Kurzum: Das ganze Haus des Tettensers ist ein Kunstwerk.


Strübbe kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als Landschaftsbilder schon „in der Landschaft“ verkauft wurden, wenn Interessierte dem Künstler bei der Arbeit über die Schultern schauten. „Heute ist das schwerer“, erklärt der Wangerländer, der deshalb auch Auftragsarbeiten übernimmt, wie zum Beispiel das Malen von Tierportraits nach Fotovorlagen.


Die Malerei hat Strübbe von seinem Vater Walter gelernt. Staffelei, Leinwand, Farben und Pinsel reichten dem Tettenser irgendwann jedoch nicht mehr, sodass er auch zu Klüpfel, Stemmeisen und Schnittmesser griff. Die meisten seiner teils märchenhaft wirkenden Holzskulpturen sind in einem verwunschenen Traumgarten zu sehen. Auf die Frage, auf welche Weise er sich die Techniken für die Bildhauerei angeeignet hat, antwortet Strübbe scherzhaft-pikiert: „Ich bin doch Künstler!“


Im Jahr 2012 hat Andreas Reiberg in Dauenstrift bei Minsen eine neue Wirkungsstätte gefunden. Der Zeichner und Grafiker sprach damals von der „wunderbaren Wandlung eines Kuhstalls“ in ein Atelier, das für ihn als „interessanter Ort“ an der Schnittstelle zwischen dem Weltnaturerbe Wattenmeer und landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt.


Der Oldorfer gehört zu den Größen der wangerländischen Kunstszene, auch ist er Mitorganisator der Literaturtage. Als Grafiker hat sich der gebürtige Solinger einen Namen beim Entwerfen vieler Firmenlogos gemacht, unter anderem stammt das „Blitz-Seewiefken“ der „friesenenergie“ aus seinem Atelier.


Reibergs Leidenschaft sind Aktzeichnungen. Aber auch die Nähe zum küstennahen Natur- und Lebensraum bestimmt sein Schaffen. Am Wochenende zeigte er unter anderem Zeichnungen von toten und verletzten Tieren, meist Vögeln. „Das sind natürlich keine lustigen Zeichnungen“, räumte der Wangerländer ein, der gleichzeitig anzweifelte, dass Kunst unbedingt aufbauend sein muss.


Vielmehr will der gelernte Schriftsetzer mit seinen Arbeiten wachrütteln, zeigt ein flehendes Wildschwein (eine Kritik an die Abschussfreigabe für die Tiere wegen der afrikanischen Schweinepest), zeichnet Kiebitze auf einem schwarzen Untergrund – eine Beobachtung, die er auf einer „schwarz-gegüllten“ landwirtschaftlichen Fläche gemacht hat. „Wenn Tiere die Opfer des Menschen sind, dann ist der Mensch Opfer seiner selbst“, gibt Reiberg zu bedenken. 







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