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Kampf gegen die weiße Wand

Mit 25-Tonnen-Radlader Tunnel in sechs Meter hohe Schneewehen gegraben – Soldaten im Einsatz

SAL
   |   
30.11.2018
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Notruf einer Hochschwangeren: Enno Bauer machte Weg zu Arzt und Hebamme frei. In einem Hausflur türmte sich Schnee bis zur Decke.
FRIEDERIKENSIEL
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Als Enno Bauer morgens aus der Tür trat, war von der Seedeichstraße kaum noch etwas zu sehen, alles weiß, meterhoher Schnee bedeckte die Fahrbahn, ein scharfer Wind trieb die Flocken vor sich her. Der Friederikensieler, damals 24 Jahre alt, war Zeitsoldat und von 1976 bis 1982 in der Wangerland-Kaserne in Hohenkirchen stationiert. Sein Arbeitsplatz war die Werkstatt, wo er als 1. Kfz.-Mechaniker den Fuhrpark des Flugabwehrraketenbataillons 26 zu warten hatte. „Ich war Heimschläfer“, erzählt Enno Bauer, nach dem Dienst konnte er deshalb immer nach Hause zu seiner Frau fahren.


Bei einem Becher Tee in der Küche seines Hauses in der Küstenstraße kommen die Erinnerungen an die Schneekatastrophe wieder in vielen Einzelheiten hoch. Tagelang war der junge Soldat mit einem 25-Tonnen-Radlader der Bundeswehr im Einsatz. Sein militärischer Auftrag „von ganz oben“ lautete, die Straße zu den Luftwaffen-Stellungen in Mederns und nach Jever freizuhalten. „Zusätzlich haben wir der Zivilbevölkerung geholfen“, ergänzt Enno Bauer, und Wege zu entlegenen Höfen und kleineren Ortschaften vom Schnee geräumt.


An jenem Februarmorgen, als Enno Bauer vor der Tür seines Hauses feststellen musste, dass die Wangerland-Kaserne mit dem Auto nicht zu erreichen war, entschied er sich zu laufen. Gemeinsam mit einem Kollegen marschierte er los, meist querfeldein, denn „auf den Weiden lag ja kaum Schnee“, den blies der Wind weg. Gegen den scharfen Ostwind schützten Bundeswehrparka, Fellmütze und Kampfstiefel. „Es war richtig kalt, und das über Tage“, erinnert sich der Friederikensieler.


Zum Dienst in der Werkstatt hatten es an diesem Morgen nicht viele Kollegen geschafft. „Wir wollten schon wieder nach Hause gehen, aber dann hieß es, wir sollten bleiben“, weiß der 64-Jährige noch. Für ihn folgten eine zehntägige Ausgangssperre und ein Kampf gegen unglaubliche Schneemassen. Vom Hellwerden bis in die Abendstunden saß er auf seinem Radlader, der Fahrstand nur durch eine flatternde Plane geschützt. Die Bundeswehr habe damals gerade eine neue ABC-Ausrüstung bekommen, dazu gehörte auch Kälteschutz-Kleidung. „Die wurde an uns ausgegeben und war wirklich warm“, erzählt Bauer.


Ab dem 15./16. Februar sei die Situation „richtig heftig“ geworden. Auf der Straße von Hohenkirchen nach Mederns türmte sich der Schnee zwei und mehr Meter hoch. „Wir wurden immer wieder reingeschickt“, sagt Enno Bauer, denn anhaltender Schneefall und Sturm schlossen die Straße schnell wieder. Von Mederns weiter Richtung Minsen seien die Stromleitungen im Schnee verschwunden. Die größte Schneewehe, nach seinen Schätzungen fünf bis sechs Meter hoch, habe sich hinter Minsen befunden. „Der Schnee war so hart, schieben konnten wir ihn gar nicht mehr. Wir haben einen Tunnel hinein gebuddelt“, hat der 64-Jährige nicht vergessen. Aber wohin mit den Schneemassen? „Rechts und links der Straße wurden wir ihn ja gar nicht mehr los, wir mussten versuchen, ihn auf den Feldern abzulagern“. Nebenbei haben er und seine Kollegen Wege zu Höfen freigemacht, was nicht immer sofort gelang. „Einmal sind wir abends von Oldorf noch Richtung Wayens gefahren, aber im Dunkeln war das gar nicht zu machen“, so Bauer.


Einige Ereignisse sind bei dem Friederikensieler besonders haften geblieben: Später am Tag, es war bereits dunkel, kam ein Notruf von einer Hochschwangeren aus Altgarmssiel, die Geburt stand unmittelbar bevor. Enno Bauer fuhr mit dem Radlader vorweg und machte die zugewehte Straße frei für das hinterherfahrende Sanitätsfahrzeug mit Hebamme und Arzt an Bord. „Für die drei Kilometer haben wir zwei Stunden gebraucht.“ Sie erreichten die werdende Mutter noch rechtzeitig. Mit Unterstützung der Hebamme schenkte sie einem kleinen Mädchen das Leben, während Arzt und Soldat in der Küche warteten.


Den kompletten Bericht lesen Sie am Sonnabend in der gedruckten Ausgabe und im ePaper.


? Der zweite Teil zur Serie „40 Jahre Schneekatastrophe“ erscheint am nächsten Sonnabend, 8. Dezember.







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Autor des Artikels
Dörte Salverius (SAL)
Jever
Lokalredaktion
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 84
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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