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Ehre und Wahrheit

(Teil 6) Tiefgründige Gespräche im Dingo

PIA
   |   
01.06.2018
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Es geht um das Bild von Soldaten und der Bundeswehr in der Öffentlichkeit, und welche Rolle dabei Journalisten einnehmen.
UPJEVER/GAO
 – 

„Und wie ist die Lage?“, fragt Zugführer Björn Minge. Es ist acht Uhr morgens und ich hatte nach der Nachtpatrouille nur eine kurze Essenspause und bin eigentlich eher in Stimmung, mich kurz hinzulegen. Stattdessen stehe ich schon wieder an den Dingos und die Soldaten bereiten alles für die Abfahrt raus aus Camp Castor und rein in die rote Savanne Malis vor.


Der Schlafentzug macht mir zu schaffen. Sicherlich hat Björn in den vergangenen Monaten genauso wenig Schlaf gehabt, aber sein Körper und vor allem sein Geist sind darauf trainiert zu funktionieren. Und so guckt er mich mit wachen Augen und einem noch wacheren Geist erwartungsvoll an. Ich stöhne innerlich vor Erschöpfung, versuche äußerlich aber, gut drauf zu sein: „Mir geht’s super. Ich bin echt gespannt.“ Björn kann Menschen gut lesen und ich bin mir sicher, dass er weiß, dass ich ihn anlüge. Er sieht dennoch zufrieden aus, da ich mich durchbeiße statt aufzugehen.


So hieve ich mich ein weiteres Mal mit der schweren Weste ins Fahrzeug und es kommt mir vor, als würde ich mich im Kreis drehen. Jeden Tag ähnliche Aufträge und ähnliche Wege verleiten einen theoretisch dazu, unaufmerksam zu werden. Hier kann das aber fatale Auswirkungen haben. Aus diesem Grund halte ich mich mit einem Gespräch mit OSG Domenic wach, der neben mir die FLW bedient. Dabei starrt er immer pflichtbewusst auf den Monitor und scannt die Umgebung. Ausgiebig sprechen wir über Belangloses, aber auch über seine Interessen zuhause und den Grund, warum er Soldat geworden ist. „Der Beruf hat für mich viel mit gesellschaftlichem Engagement zu tun und ich will meinen Beitrag für eine bessere Welt leisten. Wenn ich die Bevölkerung hier sehe und was ihnen angetan wird, wenn wir nicht hier wären, weiß ich, dass ich das Richtige tue.“ Sein Blick verrät, dass er stolz auf seine Arbeit als Soldat der Bundeswehr ist.


Deswegen macht der Generalverdacht mancher Menschen, dass Angehörige der Bundeswehr schießwütige Nazis seien, dem Oberstabsgefreiten Domenic und seinen Kameraden schon zu schaffen. „Das deutsche Militär war schon vor den Nationalsozialisten da und wir haben unsere eigenen Traditionen und unsere Geschichte. Natürlich gibt es sehr dunkle Stellen, und zu jeder Zeit müssen Dinge auf den Prüfstand gestellt, überarbeitet oder angepasst werden. Aber einfach Alles aus Willkür zu verteufeln, ist nicht der richtige Weg.“


Ein weiteres Problem ist der Wissensstand der Öffentlichkeit. Viele sind nicht darüber informiert, was bei Einsätzen passiert und welche Aufgabe die Bundeswehr wirklich hat. Die ungerechte „Mörder“-Anschuldigung geht gegen die Soldaten, dabei ist es doch das Parlament in Berlin, das über die Einsätze der Armee entscheidet.


„Die Presse trägt auch nicht unbedingt immer dazu bei, dieses Bild zu ändern“, sagt Domenic und erzählt, dass viele Bilder, die den Einsatz in Mali oder auch andere zeigten, gestellt seien: „Wir hatten im vergangenen Jahr einen privaten Sender hier. Die haben nicht einfach gefilmt, sondern kamen quasi mit einem Drehbuch an.“ Jede einzelne Einstellung sei vorher genaustens geübt und dann mehrfach gefilmt worden.


Dann verändert sich sein Gesichtsausdruck, er wirkt verbittert. „Die Ausstrahlung ist übrigens für Oktober angesetzt. Nicht weil die so lange Zeit brauchen, das Ding zu produzieren. Sondern weil mehr Zeit ins Land geht. Und wenn davor irgendwas passiert, können sie ihren Beitrag rausholen und sagen, dass sie auch hier waren.“


Ähnliche Dinge wurden mir auch von anderen Soldaten berichtet. Es zeichnete sich das Bild ab, dass die meisten Reporterteams mit einem Plan nach Mali kommen. Sie wollen das Hubschraubermodell „Tiger“ und die Drohne „Heron“ sehen oder kommen wegen einer anderen bestimmten Sache. Kaum jemand investiert Geld und kommt her, um sich dann überraschen zu lassen, was er vorfindet. Dabei gibt es neben dem ganzen technischen Equipment eine viel bessere und wichtigere Geschichte zu entdecken und aufzuschreiben: eine über Menschen.


Teil 1 der Serie lesen Sie hier:

"Auf dem Weg ins ferne Mali"

Teil 2 der Serie lesen Sie hier:

"Plastische Eindrücke"

Teil 3 der Serie lesen Sie hier:

"Der Boden der Tatsachen"

Teil 4 der Serie lesen Sie hier:

"Fragile Stabilität"

Teil 5 der Serie lesen Sie hier:

"Surreale Schönheit und innere Konflikte"

Teil 7 der Serie lesen Sie hier:

"Eine Welt der Extreme"

 

 

Der Hintergrund

 

Die Serie „Pia marschiert“ startete vergangenes Jahr, als die Wochenblatt-Volontärin Pia Miranda (27) „einfach mal mitmachen“ wollte, und zwar beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. 

Eine Truppenübung und einen Journalistenpreis später reist Pia nun nach Mali, um das vorerst letzte Kontingent aus Upjever zu besuchen, das nach Gao geschickt wird. 

 

Bis Mitte Juni werden die 45 Objektschützer noch in Gao sein. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig.  Unter anderem die Sicherung von Flugzeugen, durch Gao und das Umland mit und ohne die malische Armee (FAMa) zu patrouillieren und einen Begleitschutz für die Drohne „Heron“ zu stellen.

 






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Autor des Artikels
Pia Miranda (pia)
Jever
Volontärin
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 86
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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