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Der Boden der Tatsachen

(Teil 3) Pia Miranda trifft in Mali zum ersten Mal auf die Objektschützer

pia
   |   
29.05.2018
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Freundlicher Empfang und erste Eindrücke im Camp in Gao. Der Schrecken hat einen Namen: Ménaka.
UPJEVER/GAO
 – 

Es ist soweit! Nach einer kleinen Führung durch das Camp in der Mittagshitze betrete ich den Container der Führungsgruppe des Alpha-Zuges. So wird der Zug der Objektschützer hier genannt, und da sie viele der Patrouillen fahren, klingt der Name ganz angemessen.


Die beiden Hauptgefreiten (HG) Caro und Mara sowie Oberstabsgefreiter (OSG) Domenic begrüßen mich mit festem Händedruck und einem Lächeln. Zugführer Minge ist noch nicht da, er steckt noch in Besprechungen. Das hält uns aber nicht auf, uns schon mal miteinander vertraut zu machen. Außerdem werde ich aus Sicherheitsgründen darum gebeten, nur die Spitznamen der 45 Soldaten des Zugs zu verwenden. Die Objektschützer sind zwar schon seit Februar vor Ort, haben aber noch knapp sechs Wochen vor sich. Es gibt keinen Grund, unvorsichtig zu sein und Namen zu veröffentlichen. Nur „Pao“ Kleinert und Minge bilden eine Ausnahme. Dann drückt mir Mara noch eine Stange Brausetabletten in die Hand, damit ich meine Elektrolyte wieder zugeführt bekomme, da ich die anderen alle „ausschwitzen“ würde. „Zwar gewöhnt sich der Körper nach ein paar Wochen daran und stellt sich um, aber du bleibst nur ein paar Tage und wir wollen auf Nummer sicher gehen, dass du uns nicht zusammenklappst.“


Brausetabletten als Lebensversicherung

Die metallene Tür geht auf, Zugführer Hauptfeldwebel Björn Minge kommt rein, ruft laut „Pia!“ und breitet seine Arme aus. Egal, wie ich mir die Begrüßung vorgestellt hatte, so herzlich hatte sie nicht ausgesehen, und wenn ich mich nicht schon davor willkommen gefühlt hatte, dann spätestens jetzt. Minge fordert mich auf, mich zu setzen und ihn Björn zu nennen. Dann wird er ernst und sofort sitzt wieder der Soldat Minge am Tisch. „Wie weit bist du im Bilde, was hier abgeht?“, fragt er. Natürlich habe ich mich auf die Reise vorbereitet und rattere die wichtigen Ereignisse der malischen Geschichte, und was ich über Minusma weiß, herunter. Dann holt Zugführer Minge Luft und klärt mich über die Sicherheitslage auf. Dass es gefährlich ist, wusste ich. Die tatsächliche Sicherheitslage vor Ort schockiert mich dennoch. „Auch wenn wir wissen, wo die Terroristen sitzen, dürfen wir nichts machen“, erklärt Björn. „Erst wenn sie eine erkennbare Bedrohung darstellen. Sie haben zwar noch keine Patrouille angegriffen, aber es sind schon Mörsergeschosse, also Raketen, vor und hinter dem Camp runtergekommen. Bisher haben sie noch nicht getroffen, aber sie werden besser, also ist das nur eine Frage der Zeit.“ Mit dieser Aussicht gehe ich abends alles andere als ruhig schlafen.


Zwischen Plastikgeschirr und bewaffneten Terroristen

Am Morgen darauf höre ich das erste Mal das Wort Ménaka. Ménaka ist ein Dorf rund 260 Kilometer entfernt, und während ich den Tag zuvor im Camp ankam und meine größte Sorge das Einleben und die Hitze war, verlief der Tag der Menschen im malischen Dorf etwas anders. Während ich mich über das Plastikgeschirr aufregte, kamen in Ménaka bewaffnete Terroristen in die Stadt gefahren. Während ich aß, scheuchten diese Terroristen die Bevölkerung aus ihren Häusern und Zelten, und während ich das erste Mal mit den Soldaten zusammen lachte, wurden in Ménaka Frauen und Kinder aufgestellt und erschossen. Das Massaker wird während einer Lagebesprechung nur nebenbei erwähnt, zu oft gab es in den vergangenen Wochen Übergriffe in der Region, um jetzt einen besonderen Stellenwert einzunehmen. Es ist eine Racheaktion auf die Festnahme eines führenden Terroristen durch die FAMa. Wie viele Tote es dieses Mal gibt, sei noch nicht bekannt – und damit kommt Björn wieder zum normalen Tagesgeschehen. Mich trifft das jedoch sehr und ich weiß in diesem Augenblick, dass ich das Wort „Ménaka“, das Schreckensgefühl, die Wut und Trauer niemals mehr vergessen werde.


Teil 1 der Serie lesen Sie hier:

"Auf dem Weg ins ferne Mali"

Teil 2 der Serie lesen Sie hier:

"Plastische Eindrücke"

Teil 4 der Serie lesen Sie hier:

"Fragile Stabilität"

Teil 5 der Serie lesen Sie hier:

"Surreale Schönheit und innere Konflikte"

Teil 6 der Serie lesen Sie hier:

"Ehre und Wahrheit"

Teil 7 der Serie lesen Sie hier:

"Eine Welt der Extreme"

 


Der Hintergrund

 

Die Serie „Pia marschiert“ startete vergangenes Jahr, als die Wochenblatt-Volontärin Pia Miranda (27) „einfach mal mitmachen“ wollte, und zwar beim Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. 

Eine Truppenübung und einen Journalistenpreis später reist Pia nun nach Mali, um das vorerst letzte Kontingent aus Upjever zu besuchen, das nach Gao geschickt wird. 

 

Bis Mitte Juni werden die 45 Objektschützer noch in Gao sein. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig.  Unter anderem die Sicherung von Flugzeugen, durch Gao und das Umland mit und ohne die malische Armee (FAMa) zu patrouillieren und einen Begleitschutz für die Drohne „Heron“ zu stellen.

 






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Autor des Artikels
Pia Miranda (pia)
Jever
Volontärin
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 86
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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