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Das Gefühl, sich outen zu müssen

CSD-Organisatorin Melanie Doden spricht über Relevanz des heutigen Tags gegen Homo- und Transphobie

CARE
   |   
16.05.2018
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In Deutschland hätten Lesben und Schwule viel erreicht, sagt die Auricherin. Weltweit bestehe aber noch großer Handlungsbedarf.
OSTFRIESLAND
 – 

2006 ist der internationale Tag gegen Homophobie von Deutschland ausgegangen. Seitdem habe sich insbesondere hierzulande viel getan sagt die Organisatorin des Auricher Christopher-Street-Day (CSD), Melanie „Melly“ Doden. Allerdings gebe es weltweit noch viel zu tun: „Letzten Endes steht Homosexualität in rund 70 Ländern weltweit noch unter Strafe“, bilanziert die Ostfriesin, „in sieben Ländern sogar unter Todesstrafe.“ Dabei sei das Ziel der Community, einfach nur in der Normalität anzukommen. 

 

Frau Doden, warum brauchen wir heutzutage in einer aufgeklärten Zeit und hochzivilisierten Gesellschaft noch einen Tag gegen Homophobie? 

Doden: Es ist tatsächlich so, dass wir in Deutschland vieles erreicht haben – insbesondere im vergangenen Jahr durch die Ehe für alle. Letzten Endes steht Homosexualität in rund 70 Ländern weltweit noch unter Strafe, in sieben Ländern sogar unter Todesstrafe. Deswegen ist dieser Tag wichtig, um zu zeigen, dass es immer noch Diskriminierungen gibt, vermehrt in Sachen Transphobie. Gewalt gegen transsexuelle Menschen nimmt in anderen Ländern zu. Dort werden Transsexuelle auch umgebracht. Das nimmt man als Normalbürger gar nicht wirklich wahr.    

 

 

Was muss sich aus Sicht der Community ändern? 

Doden: Ich finde, in puncto Transsexualität haben wir noch eine Menge zu tun. Deshalb legen wir den Fokus des diesjährigen Christopher-Street-Day  auf dieses Thema: Selbstbestimmt ich.  1990 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO entschieden, Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel zu streichen. Anders ist das bei der Transsexualität, die immer noch als psychische Störung eingetragen ist. 

 

Sie haben den CSD seinerzeit nach Aurich geholt, weil Sie und ihre damalige Partnerin in der Öffentlichkeit erfahren haben, wie es ist, wenn jemand mit dem Finger auf einen zeigt. Ist das seitdem noch einmal vorgekommen?     

Doden: Gefühlt ist es akzeptierter als zuvor. Ich glaube, es liegt auch daran, dass es häufiger in der Öffentlichkeit gesehen wird. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich das Wissen, dass es viele homosexuelle Paare in und um Aurich gibt, die sich aber nicht getraut haben, das öffentlich zu zeigen. Das ist seitdem tatsächlich mehr geworden: Man sieht junge schwule und lesbische Paare, die Hand in Hand laufen. Ich selber habe, die Erfahrung nicht noch einmal gemacht. 

 

Das durch die Ehe für alle ausgelöste Gefühl ist auch sicher noch einmal ein anderes als das der eingetragenen Lebenspartnerschaft, oder? Hinzu kommt das zeitgemäßere Adoptionsrecht. 

Doden: Wir kommen sicher gut voran. Es gibt natürlich an der einen oder anderen Ecke  Leute, die das nicht normal finden. Das hängt auch von der Altersstruktur ab. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eher jüngere Menschen dahingehend einen Spruch ablassen. Ältere nehmen das hin und sagen, das ist okay, so lange ich nicht so leben muss. Und genau das wollen wir ja. Wir wollen nicht herausgehoben werden und anders oder besser dastehen als die heteronormative Gesellschaft. Es soll einfach normal sein und niemand das Gefühl haben, er müsste sich irgendwo outen. Ein heterosexueller Mensch kommt auch nicht auf die Idee, sagen zu müssen, er sei mit einer Frau verheiratet. 

 

Blicken wir in die Zukunft. Brauchen wir den Tag gegen Homo- und Transphobie in zehn Jahren noch? 

Doden: (lacht) Ich würde mir wünschen, dass es dann nur noch ein Tag der Erinnerung ist. Allerdings fürchte ich, dass wir in zehn Jahren weltweit noch nicht dort angekommen sind, wo wir uns schon in Deutschland befinden. Es gibt noch viel zu viele Kulturen, in denen Homosexualität unter Strafe steht. Insofern sagt mir mein Bauchgefühl: Wir werden den Tag auch in zehn Jahren noch brauchen. 

 

 

(K)ein Grund zu feiern

Erst 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel gestrichen. Am 17. Mai 2006, genau 16 Jahre nach dem Schritt der WHO, rief deshalb Sabine Gilleßen, damals Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes den „International Day Against Homophobia“ ins Leben. Seit 2015 heißt er „Tag gegen Homo-, Trans- und Biphobie“. 

 

Transsexualität wird seitens der WHO weiterhin in Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörung“ gelistet.  

 

Das Motto des 5. Auricher CSD am 18. August – „Sebstbestimmt ich“ stellt deshalb das Thema Trans- und Intersexualität in den Fokus. In Oldenburg lautet der Slogan des CSD Nordwest am 16. Juni „Was wollt ihr denn noch? Akzeptanz!“ 






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Autor des Artikels
Carsten Reimer (CARE)
Wittmund
Onlineredaktion
Telefon: (0 44 62) 9 89 - 262
Fax: (0 44 62) 9 89 - 1 99
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