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Trauriges Ende einer langen Flucht über Lampedusa

AsylbewerberEr kam über Lampedusa nach Schortens – jetzt ist er gestorben

Von JENNIFER VOGEL
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06.02.2014
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Wahrscheinlich ist der 24-jährige Fidel durch die jahrelangen Strapazen krank geworden.
SCHORTENS
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In einer Sozialwohnung am Bahnweg in Schortens herrscht seit drei Tagen größte Trauer. Die Gruppe junger Männer aus Eritrea, die im Oktober in Schortens Asyl fand, weint um den 24-jährigen Fidel, der am Montag im Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch gestorben ist. Von Nordafrika übers Mittelmeer bis zur italienischen Insel Lampedusa hatte er es geschafft, obwohl das Schiff gekentert war und er stundenlang im Wasser trieb. In Schortens endete seine zweijährige abenteuerliche Flucht, doch sie ging nicht wirklich gut aus. Fidel starb offenbar an den Folgen der großen Strapazen.


Hoffnung auf besseres Leben


Unruhen im eigenen Land, Armut und der Wunsch nach einem besseren Leben – es gibt viele Gründe, warum sich Menschen entschließen, ihre Heimat zurückzulassen und ungeahnte Strapazen auf sich zu nehmen. Strapazen, die auch Atobirham, Amine, Birian, Merhawi, Selomon und Fidel, sechs junge Männer aus Eritrea, auf sich genommen haben, um dem brutalen Militärdienst zu entgehen. Jetzt leben fünf von ihnen in Schortens – Fidel, der sechste, ist tot.


Mit „Schleppern“ in Richtung Europa


Bereits seit zwei Jahren hatte der 24-Jährige versucht, aus seinem Heimatland zu fliehen. Zweimal wurde er deswegen inhaftiert. Doch schließlich gelang es ihm, mit Hilfe von Fluchthelfern, sogenannten „Schleppern“, über den Sudan und Libyen durch die Sahara zu fliehen. Ein zweiwöchiger Marsch ohne richtige Verpflegung oder Pausen. Ein Schiff sollte ihn und andere Flüchtlinge Richtung Europa bringen, doch es havarierte zehn Kilometer vor der italienischen Insel Lampedusa. Viele der Bootsinsassen starben bei diesem Unglück, doch Fidel gelang es, mit letzter Kraft das Land zu erreichen. Flüchtlinge aus dieser Gruppe, die nicht in Italien oder der Schweiz Zuflucht fanden, kamen nach Friedland und wurden von dort deutschlandweit in Asylheimen oder Sozialwohnungen untergebracht.


Selbstlose Hilfe der neuen Nachbarn


Die sechs jungen Männer, die nach Schortens kamen, teilen alle das gleiche Schicksal, doch sie lernten sich erst im Zug kennen. Bei ihrer Ankunft vor vier Monaten waren sie völlig ratlos, wie es weitergehen soll. Sie sprachen kein Wort Deutsch, kaum Englisch, und auch das Klima und die Ernährung bereiteten den Männern Probleme. Die Nachbarn Henderika de Winter und Heinz Wolff erkannten dies schnell und boten selbstlos Unterstützung an. Seither helfen sie den Eritreern, wo es nur geht: Behördengänge, Einkäufe, die richtige Winterbekleidung, Möbel organisieren, die Anmeldung zum Deutschkursus. Sie feierten zusammen Weihnachten und Silvester, gingen gemeinsam Grünkohl essen. Die Nachbarn waren es auch, die Fidel, nachdem sich sein Gesundheitszustand drastisch verschlechterte hatte, ins Krankenhaus brachten. Er kam auf die Intensivstation, ein paar Tage später hörte sein Herz auf zu schlagen.


Große Anteilnahme, wichtiger Zusammenhalt


Die Anteilnahme ist so groß wie die Trauer. „Er suchte sein Glück in Deutschland, doch er hat es nicht geschafft“, steht auf der Beileidskarte, die die Nachbarn schrieben. Sie kümmern sich auch um die Beerdigung, zu der Angehörige und Freunde aus ganz Deutschland, der Schweiz und den USA angereist sind. Morgen findet in der Friedhofskapelle in Sande die Trauerfeier statt.


„In solchen schweren Zeiten ist es so wichtig, dass man zusammenhält, egal welche Hautfarbe oder Religion man hat“, sagt Henderika de Winter.







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