Bloghuus
Wählen Sie den Suchtyp aus.
  • Website
  • Web
 
Bildergalerie
Bilder aktueller Veranstaltungen aus der Region.jetzt ansehen
ABC-SCHÜTZEN AUFGEPASST!
Bis 29. Juli: Miträtseln und Schultüte gewinnen!zur Verlosung
<<
[1/1]Lesershop

Landesbühne begeistert mit Remarque-Klassiker in Wilhelmshaven

Großartiger Auftakt der neuen Spielzeit mit „Im Westen nichts Neues“

Von DÉSIRÉE WARNTJEN
   |   
07.09.2015
[0]

 
In die Bühnenversion sind auch aktuelle Aus-sagen von zurückge-kehrten Soldatinnen und Soldaten eingefügt.
WILHELMSHAVEN
 – 

Ist es möglich, Krieg auf einer Bühne zu zeigen? Die Zuschauer teilhaben zu lassen an den Schrecken, den Ängsten, an dem für Menschen, die nie einen Kriegseinsatz miterleben mussten, unvorstellbaren Grauen? Und ist es möglich, darzustellen, wie Krieg die Soldatinnen und Soldaten verändert, sie an ihre physischen und psychischen Grenzen bringt und dann bei der ersehnten Heimkehr nicht mehr so richtig daheim ankommen lässt?


Diese Gratwanderung ist der Landesbühne Wilhelmshaven mit der ersten Premiere der neuen Spielzeit, „Im Westen nichts Neues“, am Sonnabend im Stadttheater tatsächlich gelungen: Eva Lange als Regisseurin, die Dramaturgin Lea Redlich und die Bühnen- und Kostümbildnerin Gabriela Neubauer haben gemeinsam mit den sieben Darstellern ein bewegendes dramatisches Gesamtkunstwerk geschaffen – mit einer kongenialen Komposition aus Worten, Bildern, Choreografie und Tönen. Aus der Romanvorlage von Erich Maria Remarques Klassiker hatten Lange und Redlich in ihrer eigenen Bühnenversion eine Art Collage gestaltet, in die sie auch aktuelle Aussagen von aus Afghanistan, Mazedonien, Kroatien und dem Kosovo zurückgekehrten Soldatinnen und Soldaten einfügten, die aus von Ulrike Scheffer für die Ausstellung „Operation Heimkehr“ geführten Interviews stammten.


Nicht überstrapaziert


Vor den Zuschauern entfaltet sich ein in des Wortes bestem Sinne eindrucksvolles Szenenspiel von hoher Dichte, voll von Schilderungen und Aussagen, die berühren und unter die Haut gehen. Dass der Stoff keineswegs überstrapaziert, ist sowohl dem Textaufbau als auch den großartigen Leistungen ausnahmslos aller Schauspieler zu verdanken.


Remarques Protagonist Paul Bäumer erscheint sechsgestaltig, seine Figur löst sich auf in die Soldatinnen Tjaden (gespielt von Mechthild Grabner), Westhus (Sarah Horak), Detering (Aida-Ira El-Eslambouly) und die Soldaten Kropp (Ben Knop), Bäumer (Robert Lang) und Katczinksy (Vasilios Zavrakis) – und fügt sich wieder zusammen zu einer Figur, mit gemeinsam gesprochenen Textteilen und zart-eindringlichen Chorgesängen. Zu Beginn sitzen sie beisammen in einer kahlen grauwandigen Unterkunft und stellen einmütig fest: „Der Tag ist wirklich gut heute.“ Tatsächlich aber hat der Koch (Christoph Sommer; später auch in den Rollen des toten Kemmerich und des Todesengels) zu viel Suppe gekocht, denn von den 150 erwarteten Essensgängern sind bereits 70 gefallen oder liegen im Feldlazarett. Wie Kemmerich, „in dessen Gesicht sich die fremden Linien einfressen, die wir schon so oft gesehen haben. Von innen frisst der Tod sich durch“. Man sinniert, wer Kemmerichs Stiefel bekommt. Die Moral des Friedens gilt nicht mehr: „Seit wir hier sind, sind wir von unserem früheren Leben weggeschnitten, der Krieg hat uns weggeschwemmt.“ Und gute Stiefel sind selten.


Die Inszenierung ist gefüllt mit Szenen, bei denen es im Besucherraum mucksmäuschenstill wird. Die Frage „Ihr geht doch mit, Kameraden?“ wandert von Figur zu Figur, mal befehlend, mal motivierend, mal flehentlich ausgesprochen. Die Einschläge kommen näher, Teile der grauen Wände brechen ein, die Strichliste des Todesengels wird länger, die Kraft der jungen Helden schwindet: „Wir gingen los als mürrische und fröhliche Soldaten. Wir kamen in die Zone, wo die Front beginnt, und sind Menschentiere geworden.“


Das Schwerste ist die Heimkehr


Das schwerste am Einsatz sei die Heimkehr: Dies stellte bereits Remarque fest, und dies gilt noch heute. Das Zusammenfügen traumatischer Kriegserlebnisse mit der friedlichen Heimat funktioniert kaum: „In Afghanistan war ich mit Aufgaben beschäftigt, die mit dem Überleben meiner Soldaten zusammenhingen. Zu Hause lautet der Auftrag ‚Parkplatzordnung‘.“ Wie geht die Gesellschaft mit den Heimkehrern um? Diese Frage war Eva Lange eine maßgebliche Intention. Im Stück wird sie nicht ausgesprochen, doch sie schwebt förmlich durch die Zuschauerreihen, während das Publikum am Ende beeindruckt applaudiert. Obwohl das Klatschen seltsam anmute, meinte eine Besucherin. „Eine Umarmung wäre passender.“


Die nächste Aufführung im Stadttheater findet am 11. September (Beginn 20 Uhr) statt – mit einem anschließenden Publikumsgespräch.


http://www.landesbuehne-nord.de/ http://www.landesbuehne-nord.de/






Leserkommentare


Noch keine Kommentare | Erstelle einen Kommentar
 

ePaper lesenePaper Grafik

Jetzt anmelden
Noch nicht überzeugt?
»Jetzt kostenlos testen!
 
WhatsApp-Service
 
 
 

Wochenblatt-Ressorts



Ems-Jade Wangerland, Wangerooge Wilhelmshaven Jever Schortens Sande
 
 
Top-Services
Shop AfH Kontakt Rat Karriere
BL-Tipp Events Blog Abo Meinung
 

izmir escort izmir escort bayan bodrum escort bursa escort