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„Die Briten haben uns Nordirland genommen“

Vergeben und Vergessen ist noch lange nichts – Die Erinnerungen werden lebendig gehalten

Von LENA HEISING
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17.02.2017
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Der Höhepunkt des Konflikts zwischen Protestanten und Katholiken ist zwar überstanden, eine gesellschaftliche Trennung herrscht aber immer noch.
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eit fünf Monaten lebe ich jetzt in Irland, fünf weitere Monate liegen noch vor mir – die Zeit vergeht hier leider wie im Flug. Auf meiner Arbeit beim YMCA in Ballincollig, einem Vorort von Cork, gibt es immer noch reichlich zu tun. Unsere Kindergruppen in PAKT (Parents And Kids Together) wachsen schneller als je zuvor und Monday Night Live, das abendliche Musikprogramm im YMCA Cork, versüßt mir immer noch jeden Montag.


Jedes zweite Wochenende packe ich immer noch meinen Rucksack und reise um die kleine irische Insel herum. Der bisher beeindruckendste Trip führte mich und meine Freunde nach Nordirland, genauer gesagt nach Belfast. Kate, eine aus der nordirischen Hauptstadt stammende Kollegin von mir, erzählte mir bereits im Voraus erschreckende Geschichten über das dunkle, noch nicht komplett abgeschlossene Kapitel des kleinen Landes: Der Nordirlandkonflikt zwischen Protestanten und Katholiken. So zerbrach beispielsweise die Familie einer Freundin von ihr, als deren Mutter und ihr Bruder bei einer Geiselnahme erschossen wurden, weil sie katholisch waren.


Bei einem nächtlichen Nachhauseweg Kates mit ihrem Freund, bei dem sie versehentlich als Katholiken auf der protestantischen Straßenseite liefen, musste sie zusehen, wie ihr Freund deshalb übel verprügelt wurde.


Diese Zeiten sind heute Gott sei Dank Vergangenheit, Belfast ist wieder sicher – die radikal katholisch-irische IRA ist genauso verboten wie die radikal protestantisch-britische UFF und die Zahl der ökumenischen, neutralen Viertel wächst stetig. Vergeben und vergessen ist der Konflikt deshalb jedoch noch nicht. Die komplette irische Insel war nämlich ursprünglich katholisch – der Protestantismus etablierte sich erst durch die Besetzung der Briten. Als Irland sich die Unabhängigkeit vom ungeliebten Königreiches erkämpfte, blieb das dadurch neu gebildete Nordirland britisch. Dadurch sehen sich noch heute die Protestanten dort mehrheitlich als britisch und die Katholiken als irisch an. Riesige berühmte Gemälde an den Hauswänden und Mauern, genannt Murals, verdeutlichen dies – friedliche Botschaften verbreiten sie dabei selten. Als wir durch ein protestantischen Viertel liefen, fanden wir Verehrungen gefallener UFF „Helden“, die mit Spitznamen wie „Top Gun“ verherrlicht werden – das ganze natürlich dekoriert mit einer Menge britischer Fahnen. In den katholischen Vierteln widmen sich die Malereien dagegen getöteten Mitgliedern der terroristischen IRA, dieses Mal umrahmt von irischen Flaggen und mit Waffen dekorierten Sprüchen wie „Beendet die britische Herrschaft“. Auch wenn der Höhepunkt des Konflikts überstanden ist, war ich immer noch überrascht: Eine solche gesellschaftliche Trennung und Ablehnung habe ich in einer westlichen Hauptstadt noch nie gesehen.


Zurück in Ballincollig fragte ich meine Kollegen und die STEP-Trainees, Schüler aus einem Programm für Bildung für Schulabbrecher, wieso noch heute kein richtiger Frieden in Nordirland herrscht. „Die Briten haben uns Nordirland weggenommen“, erklärte mir ein STEP-Schüler daraufhin unter überzeugtem Nicken der anderen. Noch immer tun sich die Iren schwer, die Souveränität des kleinen Nachbarlandes anzuerkennen. Als eine Gruppe von Kindern mit mir über Auslandsreisen redete, sagte eine Zehnjährige: „Ich war noch nie im Ausland. Nur in Belfast.“ „Aber Nordirland ist kein Ausland, das gehört ja zu uns“, korrigierte sie sofort ihre Freundin.







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